Wissen, was kommt: Culinary Trends 2015

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Der Jahreswechsel ist für mich immer mit gemischten Gefühlen verbunden. Zum einen verabschiede ich mich nur ungern von einem Jahr, das gut für mich gelaufen ist. Zum anderen weiß man ja nicht, was kommt. Wobei: die Welt der Kulinarik hält ja eigentlich immer auch Neues parat, das ich gerne in meinen Wissensschatz integriere.

Es ist nun schon eine Weile her, dass ich in einer winzigen Bar in Berlin ein äußerst eindrückliches, ja prägendes Erlebnis hatte. Der Barkeeper legte mir zu fortgeschrittener Stunde dar, dass Menschen aus zwei ganz verschiedenen Beweggründen heraus konservativ sein können: Die einen wollen etwas bewahren, was sie für gut und richtig befinden. Die anderen haben einfach nur Angst vor Veränderung. Zu diesen zähle ich mich nicht. Denn an Veränderungen suche ich das Positive – und finde es in der Regel auch. Allerdings brauche ich sie auch nicht um jeden Preis.

Oberflächliche Modeerscheinungen und Hypes sind nicht mein Ding. Trends dagegen schon. „Jetzt wird er aber spitzfindig, der Mittermeier“ werden Sie vielleicht sagen. Aber: Trends und Hypes sind einfach zweierlei Paar Schuh. Denn Trends haben eine wesentlich längere Halbwertszeit und hinterlassen dauerhaft ihre Spuren. Trendsetter zeichnen sich durch puren Idealismus aus. Auch kulinarische. Noch vor ein paar Jahren hat man sich über vegetarische Köche lustig gemacht, die sich anschickten, auf hohem Niveau fleischlose Kochkunst zu zelebrieren. Und wie wurde vor zwanzig Jahren Paul Bocuses Nouvelle Cuisine verspottet – mit Karikaturen, die riesige Teller mit winzigen Portiönchen zeigten.

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Und heute? Sind Gemüsegerichte hipp und überladene Teller nicht mehr gefragt. Die Essgewohnheiten haben sich geändert, man ernährt sich heute deutlich bewusster. Gesunde Kost wird in den nächsten Jahren daher weiterhin eine große Rolle spielen. Ansonsten ist mehr Internationalität auf dem Teller gefragt. Die Welt wächst zusammen und so kombinieren wir mutig Zubereitungsmethoden, Gewürze und Lebensmittel aus fernen Ländern mit denen von zu Hause.

Diese Trends werden sich in 2015 verstärken:

Flexitarismus: Vegetarische Gerichte im Fokus
Der Wunsch nach leichter Küche macht aus immer mehr Menschen Teilzeit-Vegetarier. Die meisten gehen dabei aber eher pragmatisch als dogmatisch vor. So wird Fleisch nicht generell vom Speiseplan verbannt. Nein –
Flexitarier haben kein Problem mit Speck zu Bohnen und kochen ihr Risotto gerne mit einer kräftigen Fleischbrühe. Aber: Fleisch und Fisch spielen nicht immer die erste Geige, sondern werden durchaus auch öfters durch pflanzliche Komponenten ersetzt. Nicht zuletzt deshalb, weil viele Verbraucher die unwürdigen Methoden der Massentierhaltung nicht länger unterstützen möchten. Stattdessen wird einfach weniger Fleisch gegessen – dafür aber gutes. Sprich: die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem, ordentlich erzeugtem und fachmännisch gereiften Fleisch steigt. Das darf dann auch ruhig mal etwas mehr kosten und wird entsprechend bewusst genossen.

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Do it yourself: Macht stolz und schafft soziale Kontakte
Selber Hand anlegen ist weiterhin im Kommen: in unseren Gärten und auf dem Balkon werden Kräuter gehegt und gepflegt, und die eigenen Erdbeeren und Tomaten mit Stolz geerntet. In der Küche wird wieder öfters geschnippelt, gehobelt und gebrutzelt und mit viel Geduld und Liebe an der Kunst des perfekten Steaks oder Gänsebratens gefeilt. Die „hausgemachte Marmelade“ beim Frühstück erfüllt mit Stolz und ist ein immer gern genommenes Gastgeschenk. Frei von Konservierungsstoffen, voller Geschmack und einfach nur edel! Ein ebensolches Statement ist selbstgebackenes Brot. Einfach in der Herstellung und riesig in der Wirkung. Warum dieser Trend zum Selbermachen? Weil Kochen sich perfekt als Ausgleich zum hektischen Alltag anbietet. Und weil man seine Erfahrungen mit einer großen Community anderer Kochbegeisterter teilen kann: Tipps und Rezepte werden ausgetauscht, die tollen Ergebnisse in sozialen Medien gefeiert.

Hybrid Food: Viele neue Rezeptideen
Ein Trend, der in New York seinen Anfang nahm – mit dem berühmt-berüchtigten Cronut, einer Mischung aus Croissant und Doughnut. Die Idee hinter dem Zwitter-Snack: zwei verschiedene Gerichte zu einer neuen, unwiderstehlichen Mischung miteinander zu kreuzen. Einfach nur cool! Ich bin sicher: dieses Thema wird auch hierzulande an Fahrt gewinnen, wenn auch vielleicht in etwas gemäßigterer Form – nämlich Ethno Food. Dabei werden regionale Produkte mit Komponenten von anderswo mutig kombiniert. Einheimischer Rohmilchkäse, ein Teelöffel Arganöl aus dem Maghreb und dazu die Cracker vom letzten Londontrip? Köstlich und absolut neu für die Geschmacksknospen! Chorizo zum einheimischen Lamm? Schmeckt prima! Quinoa und Karotten vom hiesigen Bio-Bauern? Ein Gedicht mit einer Prise Raz el Hanout!

In unserer globalisierten Welt kombinieren wir alles, was wir an Produkten kriegen können. Und sind so auf ständiger kulinarischer Entdeckungsreise. Die Welt ist ein Dorf und es wächst zusammen, was zusammengehört. Und das ist gut so.

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