Unterwegs mit dem letzten Fischer am badischen Rhein

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Profikoch Sören Anders möchte die Herkunft der Produkte kennen, die er in seinem Restaurant serviert. Dafür fährt er unter anderem morgens um halb vier zum Fischen – gemeinsam mit dem letzten Berufsfischer am badischen Rhein.

Stockdunkel ist es. Die Mondsichel, die am klaren Nachthimmel steht, trägt kaum dazu bei, der Umgebung Gestalt zu geben. Einzig das diffuse Licht der Kopflampen erhellt das gekräuselte Wasser, welches das kleine Motorboot vor sich herschiebt. Doch Licht braucht Götz Kuhn sowieso nicht. Er steuert geradewegs hinaus auf die Seitenarmgewässer des Rheins zwischen Karlsruhe und Frankenthal.

Fischen mit Doktortitel

Seit 50 Jahren ist Kuhn auf den von ihm gepachteten Rheinflächen unterwegs, die sich über 70 Flusskilometer erstrecken. Drei Mal pro Woche, bei Kälte, Wind, Dauerregen oder Schneefall. „Fischen ist ein Knochenjob und hat mit der romantischen Vorstellung vom Arbeiten im Naturidyll wenig zu tun“, sagt er. Und doch liebt der 67-Jährige seinen Beruf, in den er nicht hineingeboren wurde, sondern mit dem er seinen Traum verwirklichte. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, machte nebenbei den Fischwirt und Fischermeister, schrieb seine Dissertation über die Fischerei am Rhein. Heute ist Kuhn einer der drei letzten Haupterwerbsfischer am deutschen Rhein, der letzte in Baden-Württemberg.

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Regionaler Wildfisch für die Gourmet-Gastronomie

Zander, Barsch, Wels, Hecht – die Edelfische, die er mit seinen Netzen aus dem Rhein zieht, verkauft Kuhn an die Gourmet-Restaurants in und um Karlsruhe. Denn diese legen besonderen Wert auf Wildfisch aus der Region. Einer seiner Abnehmer ist Sören Anders. Heute begleitet der Profikoch den Profifischer. Anders ist früh aufgestanden, hat seine Thermoklamotten, Gummistiefel und den grünen Jagdmantel angezogen und ist runter zur Bootsstelle am Rhein gefahren, wo Götz Kuhn schon auf ihn wartet. Um halb vier Uhr morgens legt das Boot ab, an Bord jede Menge Wannen für die Netze und Fische. Anders ist aufgeregt wie ein kleiner Junge. „Fischen ist ein echtes Abenteuer“, sagt er, von Müdigkeit keine Spur. Es ist ihm wichtig, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen, die er in seinem Restaurant anbietet. „So kann man die Produkte ganz anders wertschätzen“, sagt er.

Der schönste Arbeitsplatz

Eine halbe Stunde später bringt Kuhn das Boot zum Stehen. Im Schein der Stirnlampen werden die Netze sichtbar, die er am Vorabend ausgelegt hatte. Die Stille, die bisher nur vom eintönigen Rattern des Außenbordmotors unterbrochen wurde, ist mit einem Mal vorbei. Die beiden Männer hantieren eifrig, ziehen Netze heraus, verstauen Fische in den großen Bottichen. Dann fahren sie zum nächsten Netz. Um halb sieben Uhr geht es vollbeladen zurück zur Anlegestelle. Die Ausbeute: 26 Kilo Zander, 8 Kilo Hecht, 4 Kilo Wels, 3 Kilo Barsch, 75 Kilo Weißfische. Mittlerweile dämmert es. Durch den leichten Nebeldunst, der auf dem Wasser liegt, lässt sich die Böschung entlang des Ufers ausmachen, Vögel fangen an zu zwitschern. „In diesen Momenten wird mir bewusst, dass es keinen schöneren Arbeitsplatz gibt“, sagt Kuhn.

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Beste Qualität für frische Fisch-Gerichte

Am Steg angekommen, putzen die Männer die Fische. Dann fährt Sören mit seinem Fang direkt ins Restaurant, um ihn dort zu verarbeiten. „Das ist besser als Sushi-Qualität; gerade weil der Rhein heute so sauber ist, wie vor hundert Jahren. Angesichts der Industrialisierung hätte das in den Achtzigern niemand für möglich gehalten“, sagt er. „Ich habe großes Glück, dass Götz Kuhn so ganz in der Nähe noch dieses alte Handwerk betreibt.“ Selbst wenn Kuhn doch einmal in Ruhestand gehen sollte – um die Wildfischlieferung vom Rhein braucht sich Anders keine Sorgen zu machen. Kuhns Söhne treten längst in die Fußstapfen des Vaters. Mit derselben Leidenschaft und dem Wissen, das Götz Kuhn ihnen aus 50 Jahren Fischererfahrung mit auf den Weg gibt.

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