Stefan Marquard: „Macht Euer eigenes Convenience Food“

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Der TV-Koch zeigt auf der IFA, welche Möglichkeiten Sous Vide Garen in der heimischen Küche eröffnet – und ermuntert Genießer, offen für Neues zu sein.

Multi-Dampfgarer mit Sous Vide Funktion, Induktionskochfeld, Teppan Yaki – und zwischen all den Gerätschaften ein bekanntes Gesicht mit schwarzrandiger Brille, Stirnband, Ohrring und langem Kinnbart: Am Eingang zum AEG Stand auf der IFA hat Fernsehkoch Stefan Marquard die vergangenen fünf Tage live für die Messebesucher gekocht und mit ihnen einen Blick in die Küche der Zukunft geworfen.

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– Das Interview –

Stefan, was war Deine überraschendste Begegnung mit einem Messebesucher auf der diesjährigen IFA? Bekommst Du auch als Profi-Koch mal einen Rezepttipp, den Du noch nicht kennst?

Einer wollte mir ein angebliches Rezept seiner Oma vorschlagen: falschen Hahn. Auf die Frage, wie das geht, hat er geantwortet, ich solle einfach Hackfleisch nehmen, durch Brotbrösel rollen und anbraten. Abgesehen von solchen Spaßvögeln und Autogrammjägern waren viele Besucher mit sehr großem Interesse an der modernen Technik bei uns am Stand. Wir haben ja hier die Gartechnik von morgen gezeigt, das hat viel mit Geschwindigkeit zu tun.

Geschwindigkeit? Geht es Genießern nicht gerade darum, sich Zeit zu nehmen?

Eben. Zeit ist mittlerweile unser höchstes Gut. Viele Leute nehmen heute Dinge zu sich, auf die sie eigentlich gar keinen Bock haben – angeblich aus Zeitmangel. Ich habe ihnen auf der IFA gezeigt, dass gute Ernährung auch gelingt, wenn man wenig Zeit hat, mit Sous Vide Garen zum Beispiel. Man vakuumiert die für mehrere Tage gekauften Lebensmittel, hält sie so frisch oder kocht gleich für die ganze Woche vor – in kurzer Zeit, auf den Punkt, genau bei der richtigen Temperatur. Mein Appell: Macht auf diese Weise einfach Euer eigenes Convenience Food. Und seid beim Kochen generell offen für neue Dinge wie Foodpairing.

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Was erlebt man, wenn man Foodpairing ausprobiert?

Wir sind aus Tradition bestimmte Zusammenstellungen gewohnt. Zum Rheinischen Sauerbraten etwa gehören auf jeden Fall Mandeln und Rosinen.  Zerlegt man den Geschmack einzelner Lebensmittel in seine Bestandteile, stellt man allerdings fest, dass auch ganz andere Kombinationen als die bekannten hervorragend harmonieren. Gorgonzola und Ananas zum Beispiel.

Sind denn die Leute offen dafür?

Da muss man unterscheiden. Die Mischung der IFA-Besucher ist wahnsinnig spannend. Einige wollen einfach an jedem Stand etwas zu Essen probieren, andere sind total auf die neue Technologie aus. Ob alle Foodpairing nachher zuhause ausprobieren, weiß ich nicht. Aber zumindest reden die Leute darüber.

Glaubst Du, dass in ein paar Jahren Foodpairing oder auch Sous Vide Mainstream sein werden?

Nein. Dasselbe gilt für das Teppan Yaki Kochfeld. Ich habe zuhause eines von 1,60 Breite. Es ist wunderschön, damit zu arbeiten: Fleisch anbraten und gleichzeitig in einer anderen Temperaturzone eine Reduktion machen. Aber so ein großes Kochfeld ist nichts für jeden Haushalt, dafür muss man ein Freak sein. Ich habe den Leuten auf der IFA vermittelt, dass gutes Kochen nicht nur von modernen Küchengeräten abhängt. Manch einem ist schon mit einem Tipp geholfen, wie ihm endlich ein gutes Steak gelingt. Man muss die Leute da abholen, wo sie stehen, ihnen vermitteln: Macht Euch keinen Kopf, kocht einfach.

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Hat sich denn das IFA-Publikum über die Jahre verändert?

Ich bin jetzt seit sieben Jahren hier. Mein Bart ist in der Zeit grauer und länger geworden, unser AEG Stand Jahr für Jahr schöner, der ist jetzt eine richtige Erlebniswelt. Das Publikum hat sich aus meiner Sicht nicht verändert.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Kommst Du nächstes Jahr wieder auf die IFA?

Auf jeden Fall. Das ist so kurzweilig, die Tage gehen hier mit einem Fingerschnippen rum. Meine Station hier muss aber noch größer werden, ich brauche mehr Arbeitsfläche.

 

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