Küchenexot Meerfenchel: Von Mallorca nach Deutschland

AEG Potato Ing V1

Er schmeckt nach Wind und Wellen und ist eines der kulinarischen Wahrzeichen Mallorcas: fonoll marí – der Meerfenchel. Er ist ein Kind der Küste und wächst dort, wo sonst kein Grün zu finden ist: An kargen Küstenhängen, die von Gicht und Wind umspielt werden.

Meerfenchel wächst tatsächlich direkt auf den Felsen, seine graugrünen Blättchen füllt er mit Meerwasser bis sie prall sind. Denn Crithmum maritimum – so der botanische Name des Meerfenchels – ist eine Sukkulente, und damit eine saftreiche Pflanze deren Blätter besonders viel Wasser aufnehmen und speichern können.

Lange Zeit war er Pflicht im Gepäck des mallorquinischen Seefahrers, denn sein hoher Vitamin-C-Gehalt beugte Mangelerkrankungen wie Skorbut wirksam vor. Und so gingen im 15. und 16. Jahrhundert Scharen von Frauen mit Körben an den Felsabschnitten der Küste entlang, um das Kraut zu zupfen. Haltbar wurde es durch Einlegen gemacht, früher in Salzwasser, heute dagegen meist in mildem Weinessig – rund einen Monat lang. Die leicht würzigen Blätter geben vielen mediterranen Gerichten den letzten Pfiff.

Serviert wird Meerfenchel alternativ zu Reisgerichten, oder aber als Kapern-Pendant auf Vorspeisenplatten wie der mallorquinischen Pa amb oli (Brot mit Olivenöl und Tomaten). Auch angebraten schmeckt er gut, zum Beispiel als Gemüsebeilage zur gegrillten Dorade.

Auch Gourmetköche haben das robuste Pflänzchen längst entdeckt – die Nachfrage steigt kontinuierlich. Um die Bestände zu schützen wurden deshalb sogar die Erntezeiten verkürzt und Ausreißen unter Strafe gestellt. Immerhin: Meerfenchel kommt nicht nur auf Mallorca vor, sondern auch an vielen anderen Küsten – zum Beispiel am Schwarzen Meer, auf Madeira oder Schottland!

Kommentar verfassen*

* Es gelten die Allgemeinen Nutzungsbedingungen AEG-Blog Geschmackssachen.