„Ich erweitere den Eis-Horizont“

verrückter Eismacher, Eismacher, München, Eisdiele, Eis,

Matthias Münz nennt sich „Der verrückte Eismacher“. Wer in seine Eisdiele in München kommt, betritt ein Schlaraffenland mit Feinschmeckereis und ausgefallenen Sorten. Ein Gespräch mit einem, der aus Erwachsenen große Kinder macht.

– Das Interview –

Matthias, du nennst dich „Der verrückte Eismacher“ und machst Deinem Künstlernamen mit Sorten wie Bier, Cheeseburger oder Hugo alle Ehre. Wie bist Du zu Deinem Beruf gekommen?

Ein Eisjunkie war ich schon immer. Dazu kam, dass ich mich in eine Italienerin – meine jetzige Freundin – verliebt habe. 2006 verliebte ich mich beim Urlaub in Italien dann noch einmal: und zwar in das Eis von Stefano. Bei ihm holte ich mir fünf oder sechs Mal am Tag Eis. Bis er mich schließlich einlud, ihm beim Herstellen von Stracciatella-Eis zuzuschauen. Das gab den Ausschlag. Meine Bachelorarbeit schrieb ich über Eiscafés und nach dem Studium eröffnete ich meinen eigenen Laden. Ich wollte keine auswechselbare Eisdiele, also machte ich Bier- und Weißwursteis. Ich hatte Spaß und meine Gäste auch.

Wer sich in Deiner Eisdiele umschaut, merkt gleich: Hier hat sich ein großer Alice im Wunderland-Fan eingerichtet.

Grinsekatze, Märzhase, Hutmacher – ich liebe die Charaktere und Geschichten aus dem Wunderland. Der verrückte Eismacher passt genau in diese Welt hinein. Darum hat eine Freundin den Malpinsel geschwungen und meine Eisdiele in ein Wunderland verwandelt. Hier kann ich jeden Tag Hut tragen und während der Arbeitszeit meinen Nicht-Geburtstag feiern. Wenn ich an meine kurze Tätigkeit bei Siemens zurückdenke – da wäre beides nicht so gut angekommen.

Es scheint, als müsste man in deinem Beruf ein Stück weit Kind sein.

Das ist als verrückter Eismacher in der Tat sehr wichtig. Im Grunde sind alle Leute, die hierher kommen, große Kinder. Wenn sie die Eisdiele betreten, verlassen sie ihren Alltag. Sie sind dann im Wunderland, erinnern sich vielleicht an ihre Kindheit und freuen sich auf das Eis – wie ein Kind.

Kochst du gerne oder backst?

Ich koche sehr gerne, auch für meine Eisspezialitäten: den Pfannkuchen für das Apfel-Pfannkuchen-Eis, Thai-Curry oder Spaghetti Bolognese. So kann ich auch den späteren Geschmack des Eises steuern und weiß genau, was drin ist.

verrückter Eismacher, Eismacher, München, Eisdiele, Eis,

Ist es Dein Spleen, mit Deinen verrückten Eissorten kulinarische Grundsätze über Bord zu werfen?

Eigentlich werfe ich die gar nicht über Bord, ich erweitere den Eis-Horizont. Wer sagt denn, dass Eis immer süß sein muss. Einige feine Restaurants bieten Leberpasteteneis an oder Sorbets aus Paprika-Zitronen-Eis. Ich haue nicht alles auf den Kopf, aber ich will etwas Neues schaffen und mit den Geschmacksnerven der Leute spielen. Ich habe schon weit über 500 Sorten hergestellt – und jede einzelne davon probiert und verkauft.

Was war Dein verrücktester Einsatz als Eismacher?

Schräg war auf jeden Fall mein Einsatz in der Disco. Meine Kollegin und ich waren geschminkt und rausgeputzt, sie verkleidet als Herzkönigin, ich als verrückter Hutmacher. Im Repertoire hatten wir verschiedene Cocktail-Eissorten wie Hugo oder Tequila Sunrise und als Highlight: Rollmops gegen den Kater.

Erschrecken bei solchen Sorten nicht auch manche Kunden?

Meine Eissorten sind provokativ, lustig, verrückt – aber doch nicht schrecklich! Obwohl, beim Steckerlfischeis hatte ich im Laden einen Fischkopf als Deko und einen Deckel darüber. Wenn Kinder kamen, hab ich den Deckel angehoben und „Kuckuck“ gerufen. Das war echt witzig.

Auch Steckerlfischeis hört sich wieder nach Eis-Grenzerfahrung an.

Manche Leute fahren da wirklich drauf ab, aber ich muss gestehen: Ich bin tatsächlich kein Freund von Fischeis.. Auch meine ausgefallenen Sorten schmecken ja in sich stimmig. Bei meinem eigenen Eis kann eigentlich nichts kommen, das mich umhaut – und mein Rekord liegt bei 42 Kugeln.

Kommen zu Dir eher verrückte Eisesser oder auch Gourmets?

Meine Klientel ist kunterbunt gemischt. Dass bei mir auch Profis aus der Münchner Schrannenhalle Eis bestellen und Sterneköche wie Tim Raue mein Eis loben als das Beste, das Sie je gegessen haben, macht mich stolz. Qualität steht an oberster Stelle, ich verwende nur hochwertige Zutaten. Meine Rezepte verfeinere ich laufend weiter. Ein cremiges, perfektes Eis ist mein Anspruch und meine Leidenschaft.

Hat ein verrückter Eismacher auch eine Lieblingssorte?

Ich liebe nussige Sorten! Außerdem mag ich Wienerschnitzeleis, Apfelmus-Pfannkuchen und natürlich Biereis!

Was ist das Schönste an Deinem Beruf?

Da muss ich nicht nachdenken. Ich bin glücklich, wenn die Kunden in meinem kleinen Wunderland Spaß haben und lachen, wenn sie es fröhlicher verlassen, als sie es betreten haben. Weil mir das bislang gut gelingt, ist mein Beruf der schönste, den ich mir vorstellen kann.

Kommentar verfassen*

* Es gelten die Allgemeinen Nutzungsbedingungen AEG-Blog Geschmackssachen.