„Der Herd ist das Herz der Küche“

AEG Design Direktor Hans Strohmeier 2010

Hans Strohmeier prägte 25 Jahre lang die Handschrift der AEG. Seit 2012 ist der ehemalige Designdirektor im Vorruhestand. Im Interview erzählt er, wie Design in die Küche kam, dort die Lust am Kochen fördert und wie er seinen Sinn für die schöne Gestaltung zuhause lebt.

– Das Interview –

Herr Strohmeier, der frühere AEG-Vorstand Paul Jordan sagte einmal, ein Motor müsse aussehen wie ein Geburtstagsgeschenk. Was steckt hinter dieser Aussage?

Ein Ingenieur achtet genauso auf das Äußere eines Motors wie der Modeschöpfer auf den Glanz der Seide und der Privatmann auf eine schöne Wohnungseinrichtung, hochwertige Kleidung oder ein schickes Auto. Wir kaufen ein Produkt nur dann, wenn es uns gefällt. Diese Leidenschaft für Ästhetik, für die schöne Hülle, liegt in der Natur des Menschen. Wir umgeben uns gerne mit schönen Dingen und verbinden damit oft automatisch gute Qualität.

Warum holte sich die AEG 1907 als erstes deutsches Industrieunternehmen einen „Künstlerischen Beirat“ ins Haus?

Elektrizität war damals etwas völlig Neues. Bei den Menschen musste erst einmal das Bedürfnis für elektrische Haushaltsgeräte geweckt werden. Dafür sorgte der Architekt Peter Behrens, den AEG als „künstlerischen Beirat“ engagierte. Behrens gestaltete die elektrischen Haushaltsgeräte vor dem Hintergrund neuester Produktions- und Montagetechnologien und mit dem Anspruch auf funktionales Design. Damit schuf er die Kernlehre des Bauhauses, das er später mitgründete.

Sind Designer heute noch aus Industrieunternehmen wegzudenken?

Design ist heute wichtiger denn je. Der Sinn für Gestaltung ist bei den Menschen mehr ins Bewusstsein gerückt und Produkte müssen den individuellen Bedürfnissen und Stilrichtungen entsprechen. Design muss aber nicht nur verschönern, sondern auch die Nutzung vereinfachen. In den Anfangszeiten waren Haushaltsgeräte sehr altmodisch verziert und um ihre Funktion herauszufinden, bedurfte es schon eines gewissen Spürsinns. Heute kann man dagegen allein der Gestalt entnehmen, wie ein Gerät funktioniert.

Pure, proud, ordered, elegant, personal: Wie eng ist diese Design-DNA der AEG mit Ihrer eigenen verbunden?

Sicherlich spiegelt die Design-DNA der AEG auch zum Teil meine eigene wider. Doch im Großen und Ganzen habe ich als Designdirektor die Linie fortgeführt, die meine Vorgänger schufen. Denn Eigenschaften wie Purismus, Stolz oder Eleganz, verbunden mit dem Anspruch der Funktionalität und Bedienfreundlichkeit, sind die Natur der Marke und die Basis für alles Neue. So haben die Produkte eine Signatur, die charakteristisch ist für das gesamte Sortiment. Der Knebel eines Herds von AEG muss sich nach AEG anfühlen. Selbst wer das Logo nicht sieht oder die Marke über Jahrzehnte hinweg erlebt, muss sofort erkennen können: Das ist AEG.

Afrikanisches Basilikum 1

Wie können schöne Küchengeräte die Lust am Kochen fördern?

Die Küche ist keine reine Arbeitsstätte mehr. Sie öffnet sich immer weiter in den Wohnbereich hinein, bildet manchmal sogar eine Einheit mit diesem. Auch das Kochen hat sich vom notwendigen Übel zum geselligen Hobby entwickelt. Dementsprechend sollen Küchengeräte die Freude am Kochen fördern. Das kann über besondere Funktionen wie Grillen oder Dampfgaren passieren, anhand derer mit wenig Mühe tolle Gerichte entstehen. Damit sich die Menschen gern in der Küche aufhalten, ist aber auch ein elegantes Küchendesign gefragt und Geräte, die sich zeitlos in die Küchenzeile einfügen. Küchengeräte sind schließlich eine langfristige Investition. Deshalb dürfen diese nicht modisch, wohl aber modern sein.

Legen Sie beim Kochen auch Wert aufs Design?

Ich lege großen Wert auf Kreativität und Stil, mag es aber dennoch unkompliziert und koche nicht nach Rezept. Als Fan der mediterranen Küche habe ich immer eine Reihe frischer Zutaten und gutes Meersalz zuhause. Im Garten pflanze ich Kräuter, Tomaten, Kürbisse oder Gurken an. Besonders stolz bin ich auf mein afrikanisches Basilikum. Das riecht sehr intensiv und liebt die Sonne. Herrlich schmeckt es zum Tomaten-Mozzarella-Salat mit frischen Tomaten aus dem Garten. Oder ich mache einen Salat und streue die Basilikumblüten darüber.

Welches Küchengerät ist Ihr Lieblingsstück?

Der Herd, denn er ist das Herz der Küche, das kreative Zentrum. Am Herd kann ich etwas schaffen und verwirkliche mich dabei selbst. Bei mir zuhause geht die Küche in den Essbereich und dann in den Wohnraum über. Kochen, Geselligkeit und Kommunikation gehören also zusammen. Meine Eltern standen immer gemeinsam in der Küche und auch meine Kinder haben das so gelernt. Heute binde ich meine Enkel spielerisch in die Hausarbeit ein und gebe meine Lebenserfahrung an sie weiter – das ist eine meiner Beschäftigungen im Ruhestand.

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